Mag.a Judith Raunig

Klinische und Gesundheitspsychologin

Zum Thema Kaiserschnitt bin ich 2007 durch die Geburt meines Sohnes gekommen. Die Schnittentbindung war ungeplant und so haben mich damals viele Fragen beschäftigt: Was hätte ich anders machen können? Wie wird es bei der nächsten Geburt sein? Ich war auch ziemlich enttäuscht, keine natürliche Geburt erlebt zu haben- diese Geburt auf die ich mich so lange vorbereitet und auch gefreut hatte. Nachdem ich mich einige Zeit mit diesem besonderen Geburtserlebnis auseinandergesetzt hatte, konnte ich mich damit aussöhnen und meinen Frieden damit finden. 
Heute möchte ich dieses Geburtserlebnis um keinen Preis missen!
2009 kam meine Tochter durch eine Spontangeburt zur Welt. In etlichen Gesprächen mit anderen Frauen habe ich bemerkt, wie tabuisiert das Thema ist und wie sehr manche Frauen an den psychischen und physischen Folgen eines Kaiserschnitts leiden. Trotzdem gab es zu diesem Zeitpunkt in Österreich kaum Angebot für Mütter mit belastender Kaiserschnittgeburt- das war unfassbar für mich. Ich beschloss, dies zu ändern und selbst Angebote für Frauen und Paare zu entwickeln. 

Heute biete ich Seminare und Beratungen für Mütter/Väter/Paare sowie Fortbildungen für Fachkräfte zum Thema Kaiserschnitt und Traumaprävention an. Es ist eine Freude für mich, Betroffene dabei unterstützen zu können, ihre belastenden Erinnerungen an die Geburt verarbeiten zu können und gegenwärtige Symptome aufzulösen. 
Dabei mache ich immer wieder die Erfahrung, dass der erste Schritt bis sich jemand Hilfe holt und zu mir in die Praxis kommt, der weitaus Schwerste ist, danach stellt sich meist rasch eine Besserung ein. 

Gerne unterstütze ich Frauen auch dabei, nach einem Kaiserschnitt die geeigneten Bedingungen zu finden, um bei der Folgegeburt eine Spontangeburt versuchen zu können. Die überwiegende Mehrheit an Schwangeren, die ich hierbei unterstützen und begleiten durfte, konnte nach dem Kaiserschnitt eine Spontangeburt erleben. 
Auf gesellschaftspolitischer Ebene versuche ich, die Sensibilität für das Thema zu erhöhen- denn obwohl es etliche Kaiserschnittmütter gibt, die diese Geburt belastet hat, herrscht leider noch viel Unverständnis dafür, nach dem Motto: „Hauptsache das Kind ist gesund.“ Die Erlebnisse und Gefühle der Mütter und Väter werden dabei oft totgeschwiegen und verharmlost. 
Aus dieser Motivation heraus ist auch der Dokumentarfilm MEINE NARBE entstanden, der im November 2014 auf ORF 2 erstausgestrahlt wurde und 2015 in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ für die ROMY nominiert wurde sowie für den Fernsehpreis für Erwachsenenbildung.

Ich arbeite an vermehrter Vernetzung zwischen GeburtshelferInnen und an Strategien für eine würdevolle und unterstützende Geburtshilfe, in Kooperation mit Hebammen, ÄrztInnen, PsychologInnen und der Stadt Wien.

Ich konnte nach dem Seminar endlich die quälende Frage nach dem „warum“ hinter mir lassen und mich als Frau in meinem Körper wieder finden. 

Ulrike

Das Seminar war für mich erlösend. Der Austausch mit anderen Frauen, die ähnliche Geschichten hatten, die Einsicht, wie schwer sich auch andere damit tun und dass ich nicht alleine bin. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich nicht die Einzige bin, die mit dieser Art der Geburt nicht fertig wird, keine schlechte Mutter, keine Versagerin. Der positive Ausblick, das Wissen um die Chance auf eine vaginale Geburt bei einem zweiten Kind hat mir viel Kraft und Hoffnung gegeben. 

Julia

Einschneidend

von Bernadette Schmidt und Lena Trautmann "Kaiserschnitte retten Leben. Und zerstören Träume. Denn vielen Frauen geben sie das Gefühl, als hätten sie bei der natürlichsten Sache der Welt versagt."...

„Kaiserschnitt: Angst vor natürlicher Geburt“

Der Artikel findet sich hier: Auszug: Judith Raunig über "Die Angst der Frauen" Zwar „erspart“ sich eine Frau, die auf den Kaiserschnitt setzt, die Geburtswehen. Aber die meisten hängen, nachdem das Kind auf die Welt gebracht worden ist, noch viel länger in den...