Kaiserschnitt: Zahlen, Daten und Fakten

Jedes Jahr kommen in Österreich rund 23.000 Kinder, also jedes dritte Kind durch einen Kaiserschnitt auf die Welt. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Kaiserschnittrate verdoppelt. Die WHO empfiehlt eine Kaiserschnittrate, die 10-15% nicht übersteigen soll, denn eine höhere Kaiserschnittrate erhöht die mütterliche Mortalität und Morbidität, trägt jedoch nicht dazu bei, dass mehr Säuglinge überleben.

Ab einer Kaiserschnittrate von 10-20% steigt auch die Säuglingssterblichkeit, wie eine große WHO-Studie feststellen konnte. Sectio-Babys müssen häufiger und länger intensivmedizinisch betreut werden. Das Resümee des WHO-Teams lautet, dass der Kaiserschnitt als medizinische Intervention in Notfallsituationen sinnvoll ist, jedoch bei gesunden Frauen mehr Schaden als Nutzen hat. Innerhalb der Spitäler gibt es sehr große Unterschiede bezüglich der Kaiserschnittraten: in Wien variieren die Raten zwischen 18 und 50%! Wählen Sie den Ort sorgfältig aus, an dem Ihr Kind geboren werden soll! Falls Sie sich für eine Klinik entscheiden, erkundigen Sie sich im Spital nach der Kaiserschnittrate und der geburtshilflichen Ausrichtung/Philosophie der Abteilung.

Gründe für die hohe Sectiorate

Die Gründe für die steigende Kaiserschnittrate sind vielfältig und es existieren etliche Mythen dazu. Die oftmals genannten Gründe wie zunehmendes Alter der Gebärenden, angeblich größere Kinder oder der Kaiserschnitt als Wunsch der Frau, sind jedoch nicht für den massiven Zuwachs der Rate hauptverantwortlich.

Eine aktuelle groß angelegte Studie von Prof. Petra Kolip et al. analysierte die Gründe für die Rate und kommt dabei zu klaren Ergebnissen. Demnach sind 90% der Kaiserschnitte relativ indiziert. Das bedeutet, es liegen Gründe vor, die nicht zwingend einen Kaiserschnitt erfordern. In den verschiedenen Kliniken wird nun bei Vorliegen dieser Gründe gänzlich unterschiedlich vorgegangen.

Zusammengefasst bedeutet das, dass Sie, abhängig davon welchen Geburtsort Sie wählen, einem unterschiedlich hohen Risiko für einen Kaiserschnitt ausgesetzt sind.  Die aktuelle Studie des Wiener Programm für Frauengesundheit kam zum selben Ergebnis.

 

Auswirkungen der Schnittentbindung auf die Eltern und das Kind

Ein Kaiserschnitt wirkt sich sowohl auf die Mutter als auch auf das Kind körperlich und seelisch aus. Insgesamt sind Frauen nach einer Sectio sowohl körperlich als auch seelisch weniger gesund als Frauen nach einer Spontangeburt.


Risiken durch die Operation

Erhöhtes Sterblichkeitsrisiko der Mutter, erhöhtes Risiko als Folge des Kaiserschnitts eine Krankheit zu entwickeln, Verletzung der benachbarten Organe, vor allem der Blase und der Harnleiter, Blutverlust, Infektionen, Narkoseunverträglichkeiten, erhöhtes Risiko für chronische Schmerzen, mehr antibiotische Behandlungen;
Im Bereich der Narbe kann es zu Taubheit, Sensibilitäs- und Wundheilungsstörungen kommen. Kaiserschnittmütter haben ein höheres Risiko für erneute chirurgische Behandlungen, Gebärmutterverlust, Thrombosen und Embolien, verlängerte Klinikaufenthalte und Wiederaufnahmen. Im Wochenbett gibt es ebenfalls mehr Komplikationen, besonders Anämie und Fieber sind deutlich häufiger. Obwohl die Narkosemöglichkeiten in den letzten Jahren deutlich besser geworden sind, ist der Kaiserschnitt eine große Bauchoperation mit allen Folgeerscheinungen.

Die Narbe

Kaiserschnittnarben sind so individuell und unterschiedlich wie Gesichter. Vielleicht ist ihre Narbe gut verheilt, schmal, verblasst und kaum mehr sichtbar, vielleicht ist sie rötlich, breit, wulstig und auffallend? Es kann sein dass sie ihre Narbe kaum bemerken, vielleicht fühlt sie sich empfindlich an oder taub, sie kann jucken, schmerzen oder wetterfühlig sein.

Das Nervengewebe braucht ungefähr zehn Monate bis es wieder zusammengewachsen ist. Manche Frauen berichten aber auch Jahre nach dem Kaiserschnitt über Beeinträchtigungen im Narbenbereich. Schmerzen im Bereich der Narbe können manchmal auch ein Hinweis darauf sein, dass ihre psychische „Narbe“ auch noch nicht heil geworden ist. Die Narbe erinnert sie an das Erlebnis und damit auch an alle Gefühle die damit verbunden sind. So können Schmerzen im Körper auch als Erinnerungen an ein schwieriges Erlebnis gesehen werden.

Viele Frauen empfinden beim Anblick ihrer Narbe negative Gefühle- sie empfinden sie als hässlich, wollen nicht dass jemand anders sie sieht. Die Narbe ist der von außen sichtbare Einschnitt in die körperliche Unversehrtheit, für manche Frauen der Hinweis auf den Einschnitt in die Weiblichkeit. Wenn sie Schwierigkeiten beim Betrachten ihrer Narbe haben, wenn sie schmerzt oder sie ihre Narbe ablehnen, versuchen sie, ihr Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht haben sie bisher die Narbe bei der Körperpflege ausgespart? Versuchen sie, sie ab sofort wieder einzubeziehen. Es ist schon hilfreich, die Narbe täglich zu berühren und die Hand darauf zu legen. Machen sie sich bewusst, dass der Bereich verletzt wurde und nun wieder heil wird- mit ihrer Unterstützung. Sie können auch ihren Partner bitten, die Narbe einzucremen- das kann ebenfalls sehr heilsam sein.

Sehr hilfreich kann es zusätzlich sein, die Narbe entstören zu lassen. Durch den Schnitt werden einige Mediane durchtrennt die an der Körpervorderseite verlaufen. Akkupunktur oder Shiatsu können dabei helfen, den Energiefluss wieder herzustellen.
mehr Infos über die Kaiserschnittnarbe finden sie unter:
www.kaiserschnittnarbe.de

Langzeitfolgen:

Noch immer werden Frauen über die Langzeitfolgen eines Kaiserschnitts zu wenig aufgeklärt. Vor allem die Auswirkungen auf die weiteren möglichen Schwangerschaften sind es, über die Frauen meist wenig Bescheid wissen. Kaiserschnittmütter werden seltener ein zweites Mal schwanger. Das Risiko für Plazentaeinnistungsschwierigkeiten in der Folgeschwangerschaft ist deutlich erhöht sowie die Wahrscheinlichkeit für eine Uterusruptur während der nächsten Geburt. Eine Frau, die einmal per Kaiserschnitt entbunden hat, wird bei der nächsten Schwangerschaft als Risikopatientin behandelt und ihre Wahlmöglichkeiten für die folgende Geburt sind deutlich eingeschränkt. Eine Frau sollte deshalb immer auch nach dem Gesichtspunkt der weiteren gewünschten Schwangerschaften beraten und behandelt werden.

 

Kaiserschnitt: Psychische Auswirkungen

Wie gut eine Frau mit einem Kaiserschnitt zurecht kommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. War es ein geplanter oder ungeplanter Kaiserschnitt, welche Vorstellungen und Wünsche hatte die Frau von ihrer Geburt, wie kommt sie sonst mit Krisen zurecht und was waren die ganz speziellen Umstände der Kaiserschnittgeburt.

Entscheidend ist, ob die Frau mitbestimmen durfte, oder der Kaiserschnitt über sie hinweg entschieden wurde. Hat sie sich ausgeliefert gefühlt oder hat sie das Gefühl der Kontrolle und Mitbestimmung erlebt? Wurde der Kaiserschnitt in einer Notsituation getroffen, musste alles ganz schnell gehen oder war genug Zeit, sich auch psychisch darauf einstellen zu können? Musste die Frau um ihr eigenes oder das Leben ihres Kindes fürchten und wurde Mutter und Kind nach der Geburt getrennt? Wieviel Unterstützung erhielt die Frau nach der Geburt? Erlebte sie Verständnis und Anteilnahme oder wurden ihre Gefühle kleingeredet, nach dem Motto: „Hauptsache das Kind ist gesund, es gibt doch Schlimmeres?“

Auf der psychischen Ebene bedeutet ein Kaiserschnitt für viele Frauen ein verhindertes Geburtserlebnis. Frauen kämpfen häufig mit folgenden Gefühlen: Trauer, Enttäuschung, Wut, Versagensgefühle, Selbstzweifel, Ohnmacht, Angst oder Schuldgefühle;
Gedanken wie „es nicht geschafft zu haben“, „keine richtige Geburt erlebt“ , „zu früh aufgegeben“ , nicht genug ausgehalten zu haben“, können sehr quälend sein. Frauen nach einem Kaiserschnitt leiden häufiger unter Stillproblemen. Die Mutter-Kind Interaktion findet später statt und ist durch Wundschmerzen deutlich erschwert. Aufgrund eines erschwerten Stillbeginns stillen Sectio-Frauen weniger und kürzer als spontan Gebärende.

Bei der Kaiserschnittverarbeitung durchlaufen Frauen mehrere Phasen.

Nach-dem-Kaiserschnitt Phase 1: Postoperativer Schock

Unmittelbar nach einem (ungeplanten) Kaiserschnitt sind Frauen sehr oft in einem Schockzustand. Oft ist es ganz anders gekommen als man sich vorgestellt und gewünscht hatte. Die Frau „funktioniert“ in dieser Phase und für die Emotionen, die diese Geburt begleitet haben ist noch kein Platz.

Nach-dem-Kaiserschnitt Phase 2: die ersten Tage

Einige Tage später lassen die ersten Schutzmechanismen nach und neben körperlichen Schmerzen werden nun auch erstmals die seelischen Schmerzen wahrgenommen. Gefühle von Enttäuschung, Ärger, Neid oder Schuld können nun auftreten. Die Aufmerksamkeit ist aber hauptsächlich auf körperliche Vorgänge gerichtet- Schmerzen müssen unter Kontrolle gehalten werden, erste Schritte gemacht, feste Nahrung aufgenommen werden. In dieser Zeit können sich manche Frauen noch kaum auf ihr Kind und ihre Muttergefühle konzentrieren, da sie einfach noch ganz stark mit sich selbst und den eigenen Körperfunktionen beschäftigt sind. Das kann die Schuldgefühle zusätzlich verstärken. In dieser Phase ist es besonders wichtig, die Frau zu unterstützen- sowohl körperlich als auch seelisch.

Nach-dem-Kaiserschnitt Phase 3: Bewusstwerdung

In den folgenden Wochen nach der Geburt muss sich die Frau von der Operation erholen und gleichzeitig ihr neugeborenes Kind versorgen. Dies stellt eine sehr große Belastung für Kaiserschnittmütter dar. Sich einerseits zu schonen und andererseits ein Kind 24 Stunden zu versorgen, überfordert viele Frauen komplett. In dieser Phase stellt sie sich sehr oft die Frage nach der Notwendigkeit des Kaiserschnitts.“War der Kaiserschnitt wirklich notwendig?“„Was hätte ich besser machen können, habe ich zu wenig ausgehalten?“

Nach-dem-Kaiserschnitt Phase 4: Auseinandersetzung

In der vierten Phase, die ungefähr zwischen dem zweiten und dem zwölften Monat nach der Geburt liegt, müssen die schmerzhaften Gefühle verarbeitet und integriert werden. Manche Frauen setzen sich nun intensiv mit dem Kaiserschnitt auseinander und arbeiten das Erlebte aktiv auf. Manche haben schon ihren Frieden mit der Geburt gefunden und für Andere ist das Erlebnis so belastend, dass sie lieber gar nicht daran denken wollen und es möglichst aus dem Bewusstsein verdrängen.
Der Austausch mit anderen Frauen, die Ähnliches erlebt haben, kann bei der Aufarbeitung sehr hilfreich sein. Die Auseinandersetzung mit dem Geburtserlebnis ist sehr wichtig, da ein unverarbeitetes Geburtserlebnis die Lebensqualität beeinträchtigen kann, sowie die Beziehung zu Kind oder Partner erschwert.

Nach-dem-Kaiserschnitt Phase 5: Integration des Kaiserschnitts

Ein positiv bearbeitetes Kaiserschnitterlebnis bietet wie andere Krisen die Möglichkeit, daraus gestärkt hervorzutreten. Das Erlebte kann akzeptiert und in Bezug zum restlichen Leben gesetzt werden. Die Bewertung einer Geburt als gut oder schlecht, d.h. es als Gebärende gut oder schlecht gemacht zu haben, verliert dabei an Bedeutung. Oft kann ein Sinn in dieser besonderen Geburt gefunden werden, etwas das ich dadurch lernen und erfahren konnte. Die schmerzhaften Gefühle lösen sich auf, die Frau erinnert sich zwar immer wieder an die Geburt, die Gefühle sind jedoch nicht mehr so überschwappend. Die Frau kann sich mit dem Erlebten und sich selbst aussöhnen.

Folgen für das Kind

Per Kaiserschnitt entbundene Kinder haben mehr Anpassungsschwierigkeiten und ein höheres Risiko per Maske beatmet werden zu müssen.  Ein Kaiserschnitt ist eine weitaus belastendere Geburt für ein Kind als eine gewöhnliche Spontangeburt- weil der Organismus des Kindes nicht durch die natürlichen Wehen auf den Übergang zwischen intrauteriner zu extrauteriner Welt vorbereitet wird. Das Kind wird sozusagen herausgerissen und hat kaum Zeit sich selbst auf diesen Wechsel einzustellen. Aus diesem Grund ist es auch für ein Kind wesentlich vorteilhafter, echte Wehen erlebt zu haben- auch wenn die Geburt womöglich dann nach vielen Stunden mit einem Kaiserschnitt endet. Aus der pränatalen Psychologie weiß man schon lange, dass Kinder vor der Geburt mit allen Sinnen wahrnehmen können. Die Geburt eines Menschen ist der erste ganz wichtige Kontakt mit der Welt „draußen“ und kann bei einem traumatischen Verlauf eine Quelle von Angst darstellen. Auffälligkeiten im Verhalten des Kindes wie zum Beispiel häufiges Schreien, starke Berührungs- oder Trennungsängste oder schreckhaftes Aufwachen können ursächlich mit dem Kaiserschnitt zusammenhängen.

Wenn Sie solche Auffälligkeiten bemerken gibt es etliche Möglichkeiten, wie Sie Ihrem Kind Hilfe anbieten können: zum Beispiel Craniosacral Therapie oder andere körpertherapeutische Maßnahmen, einen Baby-Therapeuten/Therapeutin der/die mit Ihrem Kind arbeitet oder aber auch Bachblüten oder Homöopathie. Trotz allem sind das nur mögliche Folgen. Wie sich die Geburt auf Ihr Kind ausgewirkt hat kann nur individuell beobachtet werden.

Neuere Studien weisen auf ein erhöhtes Allergie-, Asthma- und Diabetesrisiko bei Kaiserschnittkindern hin. Dieses erhöhte Vorkommen von verschiedenen Autoimmunkrankheiten wird auf die unterschiedliche Besiedelung  von Bakterien zurückgeführt, die je nach Spontangeburt oder Kaiserschnitt differieren. Wird ein Kind vaginal geboren, sind die ersten Keime, mit dem es in Berührung kommt und von denen es besiedelt wird, mütterliche Darmbakterien. Wird ein Kind per Kaiserschnitt geboren, fehlt diese wichtige erste Besiedelung mütterlicher Keime, stattdessen kommt das Neugeborene zuerst mit Krankenhauskeimen in Kontakt.

 

Ich habe in dem Gespräch zum allerersten Mal die Geburt aus meiner Perspektive erzählt. Ich wurde davor niemals gefragt wie ICH die Geburt erlebt habe und mir ist auch nicht aufgefallen, dass ich dieses Erlebnis bisher niemals verbalisiert habe. Insofern war der Gesprächskreis eine neue, starke und vieles in Gang setzende Intervention. 

Martin

Folgen für Partner/Beziehung

Der Partner sieht den Kaiserschnitt aus einer anderen Perspektive als die Frau selbst. Das führt oft dazu, dass der Kaiserschnitt anderes bewertet wird. Viele Partner sehen ihn während der Geburt als rettende Intervention, die, nach dem lange Nichts so voran gegangen ist, wie geplant oder es gar Komplikationen gab, endlich gemacht wird. Die Zeit vor dem Kaiserschnitt, in der es nicht mehr so läuft, wie erhofft, wird häufig als sehr bedrohlich erlebt:  Der Partner muss zusehen wie seine Frau Schmerzen hat, oder das medizinische Personal den Geburtsfortschritt anzweifelt oder den  Zustand der Frau und/oder des Kindes als gefährlich oder zumindest nicht der Norm entsprechend beurteilt. Der Kaiserschnitt ist für viele Väter deshalb eine Rettung- rasch durchgeführt, von einem Mediziner, der sein Handwerk versteht. „Hauptsache das Kind ist gesund“ – das ist der Satz den viele Frauen dann von ihren Partner zu hören bekommen. Tröstend gemeint, führt er aber bei der Frau oft zu einer erneuten Kränkung. Die Frau fühlt sich oft un- und mißverstanden und versucht ihrem Partner immer und immer wieder zu erklären, warum neben den positiven Gefühlen auch andere spürbar sind. 
Manchmal sind die Väter ebenso stark belastet, besonders dann, wenn sie während der Geburt irgendwann auf den Gang geschickt wurden, ohne Information wie es Frau und Kind denn geht. Minuten werden hier zu gefühlten endlosen Stunden. 
Heilsam ist es, nach der Geburt für die Sicht des Anderen ehrliches Interesse zu zeigen, ohne zu versuchen, diese zu „verstehen“, stattdessen hilft Respekt und Achtung der Wahrnehmung und Empfindungen des Anderen. Auf meinen Seminaren bekommen die Partner die Chance, sich untereinander auszutauschen, vielleicht auch erstmals die Geburt zu reflektieren. Ziel ist es, das Erlebnis besprechbar zu machen und in die Partnerschaft zu integrieren- so kann es wie jede andere Krise genützt werden und die Partnerschaft festigen.  

 

 

 

(Trauma)Prävention vor der Geburt

Angesichts der etlichen negativen Auswirkungen der Schnittentbindung auf Mutter/Vater/Kind gilt es zuerst, jeden unnötigen Kaiserschnitt zu vermeiden. Wenn man bedenkt, dass nur einer von 10 Kaiserschnitten wirklich  notwendig ist, gibt es bezüglich Prävention eine Menge zu tun.

Faktencheck Kaiserschnitt konnte zeigen dass 9 von 10 Kaiserschnitten relativ indiziert sind. Das bedeutet, es liegt im Entscheidungsspielraum des Arztes/der Ärztin ob ein Kaiserschnitt gemacht wird oder nicht.
In anderen Worten: Wenn Sie in das Spital A gehen, wird ihnen mit der exakt gleichen Diagnose ein Kaiserschnitt verpasst, während Sie im Spital B bei einer Spontangeburt unterstütz werden.

Faktencheck Kaiserschnitt sowie die Wiener Kaiserschnittstudie konnten zeigen, dass der Hauptgrund für einen primären Kaiserschnitt die Empfehlung des Arztes/der Ärztin ist. Mehr als die Hälfte der Frauen entschied sich dafür, weil es der Arzt empfohlen hatte.

Falls man Ihnen zu einem Kaiserschnitt rät, holen Sie zumindest die Meinung eines zweiten (kritischen) Arztes bzw. Ärztin oder einer Hebamme ein. Nützen Sie das Beratungsangebot von Hebammenzentren bzw. Praxen. Häufig habe ich erlebt, das einer Klientin von mir von einem Arzt dringend zum Kaiserschnitt geraten wurde, während der andere überhaupt keine Indikation dafür sehen konnte.

Erkundigen Sie sich im Spital nach der Kaiserschnittrate und fragen Sie kritisch nach!

Beckenendlage

Allgemein wird zumindest zu einem Wendungsversuch geraten. Erkundigen Sie sich bei einer Hebamme ihres Vertrauens! Es gibt Spitäler, die Beckenendlagen auch vaginal entbinden und sehr gute, erfahrene GeburtshelferInnen dafür haben. Fragen Sie im Spital nach!

Zwillinge

Bei Zwillingen wird in vielen Kliniken sofort zum Kaiserschnitt geraten. Das muss nicht so sein! Ob eine Zwillingsgeburt spontan möglich ist, hat nicht nur etwas mit der Lage der Zwillinge zu tun sondern auch mit der Erfahrung und Sicherheit des Geburtshelfers auf diesem Gebiet! Es gibt erfahrene GeburtshelferInnen, die Zwillinge ebenso spontan entbinden können. Fragen Sie nach!

VBAC (vaginale Geburt nach Kaiserschnitt)

Hier ist ebenfalls die geburtshilfliche Philosophie des Spitals entscheidend. Es gibt Spitäler, die VBAC`s gegenüber sehr offen eingestellt sind und Sie darin gut unterstützen und es gibt GeburtshelferInnen, die Ihnen sofort zu einem zweiten Kaiserschnitt raten.

Einleitung

Nach einer Einleitung werden ca. doppelt so viele Geburten mit einem Kaiserschnitt beendet, wie nacheinem natürlichen Geburtsbeginn. Einleitungen sind deshalb kritisch zu betrachten.

Hebammenbetreuung

Kontinuierliche Hebammenbetreuung während der Geburt senkt das Kaiserschnittrisiko, das konnte in mehreren Studien bestätigt werden. Wenn es finanziell für Sie möglich ist, empfehle ich, eine persönliche Hebamme zu ihrer Geburt mitzunehmen. Es lohnt sich!

Hausgeburt

Die Kaiserschnittrate ist bei Hausgeburten sehr gering. Länder mit niedrigen Kaiserschnittraten haben auch einen hohe Anteil an Hausgeburten. Der Zeitpunkt, an dem eine Frau den Kreißsaal aufsucht, wirkt sich ebenfalls auf die Kaiserschnittwahrscheinlichkeit aus. Eine Studie der Uni Teheran zeigte, dass Frauen die schon während der frühen Eröffnungswehen den Kreißsaal aufsuchen drei mal so häufig einen Kaiserschnitt bekamen, wie Frauen die erst später in die Klinik gekommen sind. Viele Infos zum Thema Hausgeburt gibt es unter:
www.privatgeburt.de

Wunschkaiserschnitt

Als sogenannter „Wunschkaiserschnitt“ wird ein Kaiserschnitt ohne jegliche medizinische Indikation verstanden. In mehreren Studie konnte jedoch bestätigt werden, dass bei den meisten Frauen, die sich einen Kaiserschnitt wünschen Angst und Verunsicherung als Motiv dahinter stehen. Ich möchte Sie dazu ermutigen, sich mit diesen Ängsten während der Schwangerschaft auseinander zu setzen. Sprechen Sie mit einer Hebamme oder einer anderen geeigneten Person darüber.
Denn: Der Kaiserschnitt ist nur eine kurzfristige „Lösung“, er löst die Ursache der Angst nicht auf. Die Schnittentbindung bietet auch keine garantierte Sicherheit für das Kind- das Kind ist einfach anderen Risiken ausgesetzt, die sogar höher sind, als bei einer vaginalen Entbindung. Die Schmerzen, die möglicherweise vermieden werden wollen, verlagern sich meist nur auf einen späteren Zeitpunkt- nämlich nach der Geburt.

Versuchen Sie sich so gute Unterstützung zu organisieren, dass Sie zu der Energie, Kraft und dem Mut finden, der in Ihnen steckt!

während des Kaiserschnitts

Auch wenn sich bereits abzeichnet, dass Sie eingeplanten Kaiserschnitt haben werden, oder wenn sich dieser während der Geburt ergeben sollte, gibt es eine Menge, was Sie berücksichtigen können, sodass die Geburt als möglichst positiv erlebt wird und Mutter/Vater und Kind möglichst unbelastet daraus hervor gehen.

Stillen: Gerade für Kaiserschnittmütter ist der Stillbeginn oft erschwert. Die Narbe schmerzt, der Milcheinschuss ist etwas verzögert, die Trennung von Mutter und Kind können den Start erschweren. Kaiserschnittmütter sind oft durch die Geburt verunsichert- dadurch fehlt es ihnen auch an der nötigen inneren Sicherheit und dem Selbstvertrauen, das eigene Kind ausreichend ernähren zu können. Schnelles Zufüttern im Spital bringt die Stillbeziehung oft schon zu Beginn durcheinander. Dabei wünschen sich Kaiserschnittfrauen oft ganz besonders, ihr Kind zu stillen und erleben es als sehr heilsam. Wenn Sie Ihr Kind stillen möchten- tun sie es! Vertrauen Sie auf sich und achten Sie darauf, eine gute Stillbetreuung zu bekommen.
Toll ist eine Stillberaterin, die zu Ihnen nach Hause kommt und Sie unterstützt.

Geburtszeitpunkt

Auch bei einem geplanten Kaiserschnitt gibt es bezüglich Terminwahl große Unterschiede zwischen den Spitälern. Manche Spitäler wollen den Geburtstermin zwei Wochen vor dem errechneten Termin festsetzen. Für Ihr Kind ist das (ohne dringender Indikation) kein Vorteil, da das Risiko einer Frühgeburt mit all den Konsequenzen erhöht ist. Es gibt Spitäler die versuchen, ganz knapp bis zum errechneten Termin oder bis zum Wehenbeginn zuzuwarten. Erkundigen Sie sich über die verschiedenen Möglichkeiten.

Geburtsplan

Setzen Sie sich schon vorher gedanklich mit der Möglichkeit eines Kaiserschnitts auseinander! Was würden Sie sich dann wünschen? Was wäre wichtig für Sie? Schreiben Sie Gedanken dazu nieder und besprechen Sie diese mit Ihrer Hebamme oder dem Arzt/der Ärztin im Spital.
Wichtig könnten folgende Fragen sein:
Gibt es die Möglichkeit des Bondings im OP?
Kann ich mein Kind 24 Stunden bei mir haben?
Vielleicht möchten Sie, dass ihr Kind nicht gewaschen wird, sondern nur eingewickelt und Ihnen dann noch „ganz frisch“ auf den Bauch gelegt wird.
Kann mein Partner beim Kaiserschnitt dabei sein?
Immer wieder höre ich, dass eine Hebammenbeteruung während eines Kaiserschnitts nicht wichtig ist, da der Arzt die Entbindung durchführt. Meine Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass vor Allem bei einem Kaiserschnitt die emotionale Betreuung (zum Beispiel durch eine Hebamme) enorm wichtig ist und Trauma-präventiv wirkt. Frauen, die während der Schnittentbindung die menschliche Zuwendung und Fürsoge einer anderen Person erleben, verkraften eine fordernde Situation wie einen Kaiserschnitt deutlich besser.

Heilsame Bilder

Wenn während der Geburt klar wird, dass Sie einen Kaiserschnitt bekommen werden, „sprechen“ Sie mit Ihrem Kind. Erklären Sie ihm, dass es nun auf diese Weise auf die Welt geholt wird, dass Sie da sind und bei ihm sind, auch wenn Sie vielleicht eine Narkose bekommen werden. Stellen Sie sich einen Faden vor, der von Ihrem Herz zum Herz Ihres Kindes geht und Sie beide verbindet- auch wenn Sie durch diese Geburt vielleicht sogar einige Stunden getrennt sein werden.
Wenn es während der Geburt stressig wird und Sie in eine hektische Operationssituation kommen, die Sie sich vielleicht gar nicht gewünscht haben, konzentrieren Sie sich auf dieses Bild und schöpfen Sie für sich und ihr Kind Ruhe und Kraft daraus.

nach dem Kaiserschnitt

Das Wichtigste nach einer (Kaiserschnitt)geburt ist, dass Sie liebevoll zu sich selbst sind.
Sie haben alles in Ihrem Bereich und zu diesem Zeitpunkt Mögliche getan- gehen Sie sorgsam mit sich um und holen Sie sich Unterstützung von Menschen, die Ihnen gut tun.

Judith Raunig

Tipps

  • Auch nach einem Kaiserschnitt haben Sie die Möglichkeit, vorzeitig entlassen zu werden und von einer Hebamme zu Hause betreut zu werden.
  • Achten Sie darauf, eine gute Schmerzbehandlung zu bekommen, denn starke Schmerzen im Wochenbett beeinträchtigen auch ihr psychisches Wohlbefinden und behindern die Versorgung Ihres Kindes. Es soll Ihnen so gut wie möglich gehen!
  • Geben Sie ihrem Körper und Ihrer Psyche Zeit und Raum, mit dem Erlebnis fertig zu werden. Wichtig ist es, die (oft ganz unterschiedlichen) Gefühle nicht zu beurteilen sondern versuchen, sie zu akzeptieren.
  • Versuchen Sie mit jemandem darüber zu sprechen, von dem Sie sich verstanden fühlen: Ihrem Partner, einer guten Freundin, Ihrer Hebamme oder einer anderen Person Ihres Vertrauens.
  • Eine sehr gute Möglichkeit, um mit dem Erlebnis Frieden schließen zu können, bietet die Aufarbeitung in der Kleingruppe auf einem meiner Kaiserschnittseminare.

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